Der kanadische eBook-Anbieter Kobo startete vor einiger Zeit sein Angebot für deutschsprachige Leser. Große Geschütze wurden dabei aufgefahren, um den Markt und vielleicht auch den größten Konkurrenten Amazon Kindle zu beeindrucken. So hieß es, Kobo gehe mit 80.000 deutschsprachigen Publikationen ins Rennen. Kindle brachte es bei seinem Start auf den zweitgrößten Buchmarkt der Welt dagegen nur auf 25.000 elektronische Bände und damit nicht einmal die Hälfte des Kobo-Sortiments. Auch international hat Kobo diesbezüglich die Nase vorn: Die Gesamtzahl der verfügbaren Titel liegt mit 2,4 Millionen fast viermal höher als bei Amazon.

KoboKobo vertreibt seine eBooks in den Formaten ePub und PDF mit Rechtemanagement (DRM). Mit dem Kindle-Gerät sind sie so nicht lesbar. Auf iPad und iPhone sowie auf Android-Geräten kann über spezielle Anwendungen auf das Kobo-Sortiment zugegriffen werden, in dem übrigens auch zahlreiche Gratis-Titel enthalten sind. Im App Store kannst Du Dir die App Kobo kostenlos herunterladen, die nicht nur die eBooks und Zeitschriften lesbar macht, sondern zahlreiche weitere Features beinhaltet. Z. B. bietet Kobo Dir mit der Funktion „Reading Life“ Statistiken, die Aufschluss über Dein Leseverhalten geben, optisch aufbereitet wird aus diesen Informationen Dein persönlicher Buchdeckel gestaltet. Per Facebook kannst Du spannende Zitate und Deine Notizen mit Freunden teilen. Wenn Du englische Bücher liest, bietet Dir Kobo die Möglichkeit, Wörter einfach und schnell in Online-Wörterbüchern und -Enzyklopädien nachzuschlagen. Außerdem kannst Du die Form des eBooks auf Deinem iPad ganz nach Deinen Vorlieben gestalten, z. B. Schrifttyp und -größe verändern oder Dein individuelles Lesezeichen kreieren.
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Kobo eReader TouchFür Leser, die nicht über ein iPad oder ein sonstiges Kobo-kompatibles Gerät verfügen, hat der eBook-Händler die Markteinführung seines eigenen Readers auf dem deutschen Markt angekündigt, die noch im August stattfinden könnte. Jenseits des Atlantik ist der Kobo eReader schon seit Mai letzten Jahres zu haben. Im Oktober erschien die WLAN-fähige Nachfolgerversion und im Mai 2011 der Kobo eReader Touch, der per Infrarot-Touchscreen bedient werden kann. Die Einführung des eReaders für 149$ wurde als Angriff auf den Amazon Kindle verstanden. Der gut 100$ höhere Preis des Amazon-Geräts ging kurze Zeit später denn auch kräftig nach unten. Bei Amazon.com liegt der Preis für den eReader derzeit bei 100$ (ca. 69€), für die Version mit Touchscreen zahlt man 150$ (ca. 105€). Wie das Konkurrenzprodukt Kindle haben die Kobo-Geräte ein 6 Zoll-Display und arbeiten mit der E-Papier-Technik (E Ink) – es fehlt ihnen jedoch eine 3G (UMTS)-Schnittstelle. Was die äußeren Maße angeht, sind sie bei gleicher Displaygröße etwas kleiner und um einiges leichter als der Kindle. Ihr größter Vorteil liegt in der Möglichkeit auch ePub-Dateien anzuzeigen. Die Handhabung z. B. der Zoomfunktion wird zudem im Vergleich mit dem Kindle gelobt.

Entsprechend seiner „read-across-any-device strategy“ will Kobo demnächst neben iPad- und Android-Apps und eigenen Geräten mit einer HTML5-App einen weiteren Kanal öffnen, über den potentielle Leser auf sein eBook-Angebot zugreifen können. Ganz im Trend, Apples Vertriebswege zu umgehen, folgt Kobo hier den zahlreichen Anbietern, die in den letzten Monaten begonnen haben, ihre Produkte auf diesem Weg zu vermarkten (wir berichteten z. B. über das Tablet-Magazin Aside und die iPad-Apps der Zeitschriften Playboy und Bravo).

Fazit:
Auf dem deutschen eBook-Markt wird’s spannend! Wie wird sich Kobo gegenüber Kindle schlagen? Mit Google hat zudem ein weiterer potenter Spieler angekündigt, seine eBook-Anwendung auf den Markt zu bringen. Kobo setzt auf Kompatibilität mit möglichst vielen Systemen und ein breites Angebot an eBooks. Mit der kostenlosen Kobo-App fürs iPad kannst Du Dir selbst ein Bild vom neuen Anbieter und seinem Sortiment machen.