Kindle TouchAnfang dieser Woche hat Amazon mit der Auslieferung seines neuen eBook-Readers Kindle Touch begonnen. Wesentliche Neuerung ist die Integration eines Touchscreens. Die Vorgängermodelle werden noch mit unterhalb des Displays angebrachten Tasten bedient. Auch wenn der Kindle Touch mit diesem Feature ein Stück weit näher an die Funktionalitäten von Smartphones und Tablet PCs herangerückt ist, kann aber kein Zweifel daran bestehen, dass er durch und durch ein eBook-Reader ist und bleibt. Das zeigt sich beim e-Ink-Display, das auch weiterhin keine Farben darstellen kann, sondern nur Graustufen-, also Schwarz-Weiß-Bilder, anzeigt. Für die Lektüre eines eBooks ist das
natürlich völlig ausreichend, für bildlastige Websites weniger. Der Kindle Touch ist in zwei Varianten zu haben. Einmal mit Beschränkung auf WLAN-Konnektivität und als 3G-Version. Der Clou bei letzterer ist, dass alle Verbindungsdaten über das UMTS-Netz von Amazon übernommen werden, also bereits mit dem Kaufpreis abgegolten sind. Wer jetzt denkt, er könne mit dem Kindle Touch 3G zum Schnäppchenpreis surfen – wenn auch nur in Schwarzweiß, der hat sich zu früh gefreut. Die Verbindung über das Mobilfunknetz ist allein dem Zugriff auf die Seiten von Amazon samt dazugehörigem eBook-Store vorbehalten. Wer mit dem installierten Browser im Netz surfen will, der muss dies via WLAN tun. Auch was die darstellbaren Formate angeht, ist das Gerät ganz auf Amazon ausgerichtet. Das weit verbreitete, aber von Amazon nicht verwendete Format ePub etwa kann der Kindle Touch nicht anzeigen. Als breit aufgestellter e-Book-Händler kann es sich das Online-Kaufhaus offenbar erlauben, sich auf das Dateiformat der eigenen Ware zu beschränken. PDF-Dateien können immerhin problemlos angezeigt werden. Gleiches gilt auch für Bilddateien der Formate JPG, GIF, PNG und BMP, sowie die Textdateiformate TXT, DOC und DOCX. Auch MP3s können abgespielt werden. So ist es etwa möglich, während der eBook-Lektüre Musik zu hören. Insgesamt betrachtet ist die Markteinführung des Kindle Touch kein aufsehenerregendes Ereignis. Bedeutende Neuerungen außer der Ausstattung mit einem Touchscreen hat das Gerät schließlich nicht wirklich zu bieten. Indessen müssen die deutschen Kunden auch weiterhin auf den Kindle Fire verzichten, der mit seinem Farbdisplay und dem vergleichsweise erschwinglichen Preis als echte Konkurrenz zu Apples iPad gehandelt wird. Bislang kann man das „Amazon Tablet“ Kindle Fire aber nur in den USA erwerben.
Den Kindle Touch bekommst Du seit dieser Woche auch bei Amazon Deutschland – für 129€. Die Variante mit 3G-Konnektivität, bei der keine zusätzlichen Verbindungskosten für den eBook-Download mehr anfallen – sie sind im Kaufpreis wie gesagt bereits enthalten – schlägt mit 189€ zu Buche.

Fazit:
Der neue Kindle Touch ähnelt zwar mit seinem Touchscreen mehr einem Tablet PC als die Vorgängermodelle. Er bleibt aber vorrangig ein eBook-Reader, der zudem ganz auf die Produkte von Amazon ausgerichtet scheint. Kritiker werfen denn auch die Frage auf, ob sich der Kauf des eines solchen Hybrids wirklich lohnt. Ein reiner Reader ist schließlich auch schon für weniger Geld zu haben. Und wer nicht nur lesen, sondern auch im Netz surfen will – und zwar nicht nur in Schwarzweiß -, der sollte die Anschaffung eines vollwertigen Tablets erwägen. Und schließlich muss auf das breite eBook-Sortiment von Amazon niemand verzichten. Die elektronischen Bücher im hauseigenen Format können schließlich dank App auf praktisch jedem Smartphone oder Tablet angezeigt werden.