iPlayboy - die Web-App des MännermagazinsFür Wirbel sorgte Mitte Mai der Start der iPad-Version des Männermagazins Playboy, die unter Umgehung des App Store als Web-App erscheint. Damit hat der Konflikt zwischen dem Playboy-Verlag und seinem Gründer Hugh Hefner einerseits und dem als prüde geltenden Apple-Konzern andererseits vorerst ein Ende gefunden. Mit seinen freizügigen Inhalten hätte „iPlayboy“ im AppStore keine Chance auf Zulassung gehabt. Zudem spart sich der – wie alle Printmedien heutzutage – mit sinkenden Verkaufszahlen kämpfende Verlag so die saftigen Provisionen, die für Verkäufe im AppStore anfallen und er tritt in direkten Kontakt mit seinen Kunden – ohne den Mittler Apple. Neben dem ersten iPad-Magazin „Aside“, über das wir bereits berichtet haben, zeigt so auch der Playboy, wie die Restriktionen des iPad-Herstellers umgangen werden können.

Der Playboy präsentiert in seiner Web-App nicht nur die aktuellen US-Titel seines Hefts, sondern gewährt den Abonnenten auch Zugang zu seinem gesamten Archiv, d. h. allen Playboy-Ausgaben die in den USA seit Gründung des Magazins 1953 – mit Marilyn Monroe in der Erstausgabe – erschienen sind. Und das heißt nicht nur, dass sich der User massenhaft nackte Haut auf sein iPad laden kann, sondern auch Artikel, Interviews, Witze usw. Auch alle Werbeanzeigen, die jemals in einem Playboy-Heft erschienen sind, stehen zur Verfügung. Der iPlayboy ist so nicht nur was für Erotik-Freunde, sondern auch für Retrofans oder Menschen, die das Magazin als spannendes Zeitdokument betrachten. Das Abonnement hat jedoch seinen Preis. Man kann sich den iPlayboy für 8$ (zzt. etwa 5,50€) monatlich auf sein iPad holen – wer sich langfristig festlegt, zahlt weniger: das Jahresabonnement kostet 60$ (ca. 42€), zwei Jahre 100$ (ca. 69€).

Wie funktioniert nun der iPlayboy, wenn er nicht in Form einer gewöhnlichen App auftreten kann? Die Web-App ist im Grunde nichts weiter als eine für das iPad optimierte Website in HTML5, die auf dem mobilen Gerät im Browser aufgerufen wird. Entsprechend ist der Zugang zu iPlayboy nur bei bestehender Internetverbindung möglich. Interaktivität bietet die App wenig. Die verfügbaren Inhalte sind praktisch nicht viel mehr als eingescannte Hefte. Hochkant wird jeweils eine Magazinseite angezeigt, beim Drehen in Querlage wird automatisch auf die Zwei-Seiten-Ansicht umgeschaltet. User beklagen sich im Netz über die teilweise zu geringe Auflösung, durch die die Lesbarkeit der Artikel beeinträchtigt sein soll. Ebenso wird kein Multitasking unterstützt. Jedes Mal, wenn der User die App kurz verlässt, muss er nach der Rückkehr seine Login-Daten erneut eingeben.

Fazit:
Die iPlayboy-Web-App ist in ihrer Form, ungeachtet mancher Mängel, ein weiteres Beispiel, wie Angebote unter Umgehung des AppStore auf den Markt gebracht werden. Ein Beispiel, dem in Zukunft weitere folgen könnten. Inhaltlich bietet die App nicht nur Erotik-Freunden etwas, sondern ist auch für User spannend, die sich für über 50 Jahre Zeitschriftengeschichte interessieren.