Mit Voranschreiten der Technik werden Smartphones und ihre großen Brüder, die Tablets, immer leistungsfähiger, schicker und natürlich auch dünner. Doch genau hier setzt eines der größten Probleme in der aktuellen Technikwelt ein: der Akku. Wo alte „Klotz“-Handys gerne mal eine ganze Woche durchgehalten haben, müssen Smartphones und Tablets nahezu jeden Tag an die Steckdose. Wenn es sogar ganz schlecht läuft, dann hält der Akku nicht einmal bis zur Ankunft in der eigenen Wohnung – ein Horrorszenario für alle, die mit ihrem Handy mehr als nur telefonieren wollen. Doch wieso schaffen es Entwickler und Erfinder eigentlich nicht, bessere Akkus zu entwickeln und wie kann man sich gegen das Leersaugen des selbigen wehren? In diesem Artikel bekommst du die Antwort auf diese Fragen.

FujifilmakkuIn aktuellen Smartphones und Tablets werden sogenannte Lithium-Ionen-Akkumulatoren verwendet. Sie haben unter anderem den Vorteil, dass sie nur sehr langsam verschleißen und sich relativ zügig aufladen lassen. Doch die Physik setzt den Erfindern unüberwindbare Grenzen. Will man einen Akku mit mehr Ausdauer, so wird dieser unweigerlich größer. Wie Du dir vorstellen kannst, ist das für viele Smartphone-Besitzer ein absolutes No-Go. Aus diesem Grund versuchen die Entwickler auf anderen Wegen, die Ausdauer des Lithium-Akkus hoch zu halten. Das kann zum Beispiel durch hochwertigere Displays, durch bessere Prozessoren, oder durch eine bessere Hardware geschehen. Dabei bewegen sich die Entwickler immer wieder auf einem schmalen Grad zwischen Qualität, Leistung, Akku-Verbrauch und Größe. Darauf hast Du natürlich keinen Einfluss. Du kannst jedoch selbst dafür sorgen, dass dein Tablet oder Smartphone nicht ganz so viel Energie verbraucht. Wir sagen Dir wie:

1. Unnötige Einstellungen deaktivieren

Der wirkliche Energiefresser eines Smartphones ist der Benutzer selbst. So gibt es viele Einstellungen, die er nur selten nutzt und braucht, die allerdings unnötigerweise aktiv sind. Da wären zu erst einmal die Verbindungseinstellungen.

WLAN
Ist das WLAN aktiviert, obwohl man keines in der Nähe hat? Dann aus damit! Während diese Einstellung aktiviert ist, sucht das Gerät immer wieder nach Hotspots, mit denen es sich verbinden kann und sorgt so für einen stetigen, im Hintergrund stattfindenden Verbrauch der Akku-Leistung.

Bluetooth
Wer Bluetooth dauerhaft aktiviert hat, öffnet nicht nur Tür und Tor für findige Hacker, er hat auch einen stetigen Energieverbrauch. Ähnlich wie beim WLAN ist auch Bluetooth relativ eigenständig auf der Suche nach anderen Geräten, mit denen es Daten austauschen kann. Hier gilt definitiv, Bluetooth nur zu aktivieren, wenn man es wirklich braucht. Bei neueren Smartphones braucht man es zudem gar nicht mehr, da man Daten meist sehr leicht über E-Mail versenden kann.

Synchronisation
Bereits beim ersten Start eines Handys wird man gefragt, was, wann und wie oft synchronisiert werden soll. Beim Synchronisieren verständigt sich das Smartphone über die aktuelle Datenverbindung mit anderen Servern. Dies machen zum Beispiel fast alle E-Mail-, News- und Social Network-Apps. Dabei wird es einem der Akku bereits danken, wenn man das Synchronisierungsintervall verlängert: also anstatt jede Stunde, einfach alle drei Stunden. Das spart unheimlich viel Energie. Besser ist es hier natürlich, diese Einstellung komplett zu deaktivieren und die Apps manuell zu synchronisieren.

GPS
Ähnlich wie Bluetooth sollte auch GPS standardmäßig deaktiviert sein und nur angeschaltet werden, wenn es wirklich benötigt wird. Das hat den positiven Nebeneffekt, dass keine App ungefragt darauf zugreifen kann und so womöglich Standortdaten speichern kann.

Displayhelligkeit
Kommen wir zum Nummer 1-Energiefresser schlechthin, den der Nutzer in den Griff bekommen kann: Das Display beziehungsweise dessen Helligkeit. Selbstverständlich fängt dieses erst an, an der Akkuladung zu saugen, wenn das Gerät aktiviert wird. Hier kann man dennoch bei längerer Nutzung viel Energie einbüßen, wenn man den Bildschirm unnötig hell einstellt – von der Wärmeentwicklung mal ganz abgesehen. Zwar ist ein heller Bildschirm in einer hellen Umgebung unabdingbar, um überhaupt etwas auf dem Display zu sehen, allerdings kann man im Gegensatz dazu in dunklen Umgebungen die Helligkeit herunterdrehen. Des Weiteren sollte man immer einen dunklen Hintergrund für sein Gerät wählen, denn es gilt: Umso mehr weiß das Display darstellen muss, desto mehr Energie verschlingt der Akku.

Statusbar des SGS2 auf Android 4.0.12. Die richtigen Apps einsetzen

Sowohl für Smartphones, als auch für Tablets gibt es verschiedene Applikationen, die dabei helfen sollen, die Akkulaufzeit zu erhöhen. Dabei ist es irrelevant, ob man ein iOS-, oder ein Android-Smartphone beziehungsweise Tablet nutzt. Neben einfachen Widgets, die einem anzeigen, wie viel Prozent Ladung dem Akku noch zur Verfügung stehen, gibt es auch tiefer greifende Applikationen. So kann man unter anderem angeben, dass das Handy ab einem gewissen Prozentsatz des Akkus in einen Spar-Modus fährt. Bei diesem werden sowohl GPS, WLAN als auch sämtliche Synchronisierungen deaktiviert und das Display wird auf die geringste Helligkeit gedrosselt. Dies kann man natürlich auch manuell aktivieren. Beliebte Apps sind unter anderem Easy Battery Saver (Android) und Battery Saver (iOS).

Easy Battery Saver - Android                     Battery Saver - iOS

3. Werbung in Apps frisst Strom

In einer Studie der US-Universität Purdue fand man heraus, dass Gratis-Apps deutlich mehr Strom fressen als ihre kostenpflichtigen Kollegen. Computer Bild hat dieses Ergebnis noch einmal überprüft und das erschreckende Resultat bestätigt. So testete man sowohl die Pro-, als auch die Lite-Version von Angry Birds auf einem iPhone 4S. Bei der werbefinanzierten Variante gab der Akku des 4S bereits nach drei Stunden den Geist auf, während bei der gekauften Version noch 39% der Akkuleistung vorhanden war. Die Studie zeigte, dass die meisten Gratis-Apps die wenigste Energie für das Spiel an sich benötigen. Vielmehr verbraucht die Werbung bis zu 75% der Energie.

4. Weitere Möglichkeiten

Neben den Einstellungen des Betriebssystems und verschiedenen nützlichen Apps gibt es auch andere Möglichkeiten, die man für eine längere Laufzeit nutzen kann. Neben dem inzwischen unnötigen kompletten Entladen des Akkus und dem „Gefrierfach“-Trick, um sie länger haltbar zu machen, kann man sich auch externe Akkus kaufen. Diese sind meist über ein Kabel mit dem Handy verbunden und laden es wie eine mobile Steckdose auf. Beim Kauf eines solchen Akkus sollte man allerdings sowohl auf die Spannung (V = Volt), den Strom (mA = Amper) und die Leistung (W = Watt) achten.

5. Was in der Zukunft liegt

Viele Forscher sind momentan damit beschäftigt, leistungsfähigere Akkus zu entwickeln. Dabei wirft man nicht nur einen Blick auf heutige Touchscreen-Geräte. Es geht vor allem auch um Elektroautos, für die Lithium Ionen-Akkumulatoren zu teuer sind. Dabei treten neben der Kapazität auch Probleme mit der Temperatur auf. So funktionieren einige Techniken erst ab einer gewissen Temperatur richtig. Tiefe Temperaturen, vielleicht sogar weit unter 0 Grad, sind schädlich für die meisten Akkus und verringern neben der Ladung auch die Haltbarkeit. Wir stellen drei vielversprechende Forschungen vor, die momentan vielleicht noch bloße Zukunftsmusik sind, jedoch bald auch in unseren Geräten vorhanden sein könnten.

Metallfluorid
Metallfluorid weist im Gegensatz zu Lithium Ionen Akkus eine zehn mal höhere Energiedichte auf und würde demnach eine enorme Steigerung zu den derzeit dominierenden Akkus bedeuten. Die Forscher kämpfen allerdings noch mit einigen Schwierigkeiten, weshalb die Markteinführung noch in weiter Ferne liegt. Unter anderem benötigen diese Akkus eine Temperatur von 150 Grad Celsius, um funktionieren zu können. Zudem verlieren sie nach einigen Auf- und Entladungen etwa die Hälfte ihrer Kapazität. Zwar wären sie damit immer noch leistungsfähiger als ihre Lithium-Kollegen, dennoch stellt dies ein riesiges Problem dar. Dazu kommen auch Probleme mit dem Design des Materials. Trotzdem geben sich die Forscher zuversichtlich.

Nanostrukturen
Auch über andere Wege könnten wir bald dafür sorgen, dass unsere mobilen Geräte wie Tablets, Smartphones und Notebooks länger durchhalten. So gibt es momentan Forschungen mit einer neuartigen Akku-Generation, die durch dreidimensionale Nanostrukturen in der Lage ist, die Ladezeit von Akkus enorm zu verkürzen. Diese Technik würde es ermöglichen, Smartphones und Tablets in wenigen Sekunden vollständig aufzuladen. Notebooks bräuchten nur wenige Minuten und selbst bei Elektroautos würde sich die Ladezeit enorm verkürzen lassen.

AerogelAerogel
Das Aerogel ist von unseren drei Beispielen dasjenige, dass man eher in Star Wars-Filmen erwarten würde. Aerogel, oder einfacher nur „gefrorener Rauch“ enthält sogenannte Multi-Walled Carbon Nanotubes. Diese sind um ein tausendfaches dünner als menschliche Haare und dadurch einzeln mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen. Die Struktur des Materials ist zudem in der Lage, geringste Änderungen von Temperatur und Druck festzustellen und darauf zu reagieren. Angeblich sollen sich sogar erste Geräte, sogenannte Superkondensatoren, in der Entwicklung befinden, die durch das Aerogel in der Lage sind, riesige Mengen von Energie innerhalb weniger Millisekunden freizusetzen.

Fazit:
Es wird eventuell noch lange dauern, bis man wirklich große Fortschritte im Bereich der Akkumulatoren macht. Bis dahin kannst Du unnötige Einstellungen deaktivieren, oder nützliche Applikationen nutzen. Natürlich kannst Du auch zu Hardware-Lösungen greifen, die die Laufzeit Deines Akkus erhöhen. Diese kosten aber teilweise zusätzlich Geld. Selbstverständlich kann man zur Abwechslung auch einfach mal das Gerät ausschalten.

Bildquellennachweis: © NASA / J. Ash Bowie – Wikipedia