Apples iCloud: Synchronisation radikal einfach„Cloud Computing“, das Speichern von Dateien und Anwendungen nicht auf einer begrenzten lokalen Festplatte, sondern in einem Online-Reservoir gilt als ein Prinzip, das die Computernutzung der Zukunft bestimmen wird. Die Umsetzung dieses Prinzips durch den Apple-Konzern trägt – wie sollte es anders sein – den naheliegenden Namen iCloud. Auf der diesjährigen Worldwide Developers Conference stellte Steve Jobs kürzlich neben dem Betriebssystem iOS 5 für mobile Geräte wie iPad oder iPhone den neuen Apple-Dienst vor. iCloud soll zusammen mit dem Betriebssystem im Herbst diesen Jahres auf den Markt kommen.

Cloud Computing hat zahlreiche Vorteile. Besonders einleuchtend ist etwa die Idee auf dem Endgerät Speicherplatz zu sparen, indem Dateien in ein möglichst gut zugängliches Depot ausgelagert werden. Naturgemäß ist dies besonders für mobile Geräte wie iPad und iPhone relevant. Zudem wird in Zeiten, in denen immer mehr User nicht mehr nur ein Gerät verwenden, sondern mehrere stationäre und mobile Devices parallel nutzen, die Nachfrage nach Synchronisierungslösungen größer. Online-Speicher können dabei eine zentrale Rolle spielen.

Das gebührenfreie iCloud löst Apples kostenpflichtigen Synchronisationsdienst MobileMe ab. Dabei ist die Konzeption des neuen Dienstes nicht mit der von MobileMe vergleichbar. Bei iCloud funktioniert vieles automatisch, der User muss sich um wenig selbst kümmern. Änderungen an Dokumenten oder Apps, die z. B. am iPad vorgenommen werden, überträgt iCloud automatisch per WiFi an die anderen Geräte des Users. An jedem Gerät kannst Du so jeweils auf den letzten Datenstand zugreifen. Mit iCloud Backup steht auch eine automatische Datensicherungsfunktion bereit. Mit Photo Stream erscheinen Bilder, die Du z. B. mit Deiner iPad-Kamera aufnimmst, zugleich auf Deinen anderen Geräten.

Auch im Mailverkehr funktioniert die automatische Synchronisation. Mit der Anmeldung zu dem neuen Dienst bekommst Du auch einen me.com-Mail-Account. Neue E-Mails werden nun zugleich auf alle Geräte übertragen und Ordner ebenso wie Kontakte und Kalender auf einen Stand gebracht. Besonders nützlich: In gemeinsamen Kalendern können Termine zwischen mehreren Nutzern abgeglichen werden.

iCloud bietet Dir als einzelnem User 5GB Speicherplatz. Verglichen mit den Kapazitäten von iPad und iPhone, die meist bei 16 bis 64GB liegen, erscheint das sehr begrenzt. Nicht auf das Kontingent angerechnet werden dabei über Apple-Dienste gekaufte Musik, E-Books, Apps etc. Im AppStore bereits gekaufte Anwendungen werden mit dem Wolken-Symbol markiert und können von einem Deiner anderen Geräte nochmals ohne weitere Kosten heruntergeladen werden. Beim Neukauf in iTunes, AppStore oder iBookstore werden die erworbenen Inhalte gleich auf alle Geräte übertragen – ein umständlicher Austausch per Kabel ist damit nicht mehr nötig.

Bei Audiodateien synchronisiert iCloud nur die bei iTunes erworbenen Inhalte. Gegen 25$ Jahresgebühr können mit dem Dienst iTunes Match auch solche Stücke mit einbezogen werden, die nicht über iTunes gekauft wurden, aber dort im Angebot sind. Dabei muss der User – im Unterschied zu anderen Cloud-Diensten – nichts selbst hochladen. Wiedererkannte Stücke werden einfach als kopierschutzfreie AAC-Dateien bereitgestellt. Itunes Match wird in den Medien zum Teil als Entschädigungs-Instrument zugunsten der Musikindustrie bezeichnet. Ein nicht unwesentlicher Teil der Einnahmen des Dienstes, der die Online-Speicherung auch von raubkopierten Titeln erlaubt, fließt in die Kassen der Musiklabels.

Den vielen Vorteilen, die Cloud Computing bietet, stehen auch einige Nachteile gegenüber. So ist der User mit der Auslagerung von Inhalten vom Endgerät zu einem externen Anbieter immer mehr auf die Verfügbarkeit einer ausreichend leistungsfähigen Internetverbindung angewiesen. Die Auslagerung von Daten könnte zudem Sicherheitsfragen aufwerfen.

Fazit:
Apples iCloud macht weniger durch das bloße Bereitstellen von Online-Speicherplatz für den User als vielmehr durch die Automatisierung der Synchronisation auf sich aufmerksam, die konsequenterweise solche Aspekte wie die Organisation des Mailverkehrs oder das Vorgehen beim Erwerb neuer Inhalte mit einbezieht. So sind immer alle Daten – ob auf Deinem iPad oder Deinen anderen Geräten – auf dem gleichen aktuellen Stand, und zwar ohne dass Du etwas dafür tun musst.